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Der Dohrer Wald

Dohr, den 14. 11. 2022

Durch die demnächst auch in der Gemarkung Dohr anstehende Fortführung der neuen Höchstspannungsfreileitung von Metternich nach Niederstedem sind auch einige Eingriffe in den Dohrer Wald nicht zu vermeiden. So werden beispielsweise einige wertvolle Douglasienbestände dem Leitungsbauvorhaben teilweise zum Opfer fallen und das Bild des Waldes in Teilbereichen verändern, wofür der Vorhabenträger eine entsprechende Entschädigung zu zahlen hat. Aus diesem Anlass möchte ich die Abhandlung des ehemaligen Leiters des Forstamtes Cochem, unseres Mitbürgers Peter Dietrich, vor den nun geplanten Eingriffen nochmals aufleben lassen, welche sich einige Jahre nach den Orkanen des Jahres 1984 mit der Situation des Dohrer Waldes befasst hat. Diese Abhandlung gibt sehr  interessante Einblicke in die Entwicklung und den aktuellen Zustand des Dohrer Waldes.

Die Abhandlung ist mit einigen beeindruckenden Fotos in einem Schaukasten am Eingang zum Dohrer Wald Richtung Schutzhütte zu finden.

„Der Dohrer Wald“

„Von der 500 ha großen Gemarkungsfläche sind 270 ha mit Wald bestockt. Größter Waldbesitzer ist die Ortsgemeinde Dohr. Die restlichen Waldflächen sind kleinparzellierter Privatbesitz.

Der Wald befindet sich überwiegend in steilen, oft schwer zugänglichen Hanglagen an den Gemarkungsgrenzen zu Cochem, Ediger-Eller, Urschmitt, Weiler und Faid. Heute hat er dort vor allem Schutzwaldcharakter, ist aber auch Lebensraum seltener Arten wie Wildkatze oder Haselhuhn. Über Jahrhunderte hinweg wurden diese Wälder intensiv als Niederwald bewirtschaftet. In Abständen von nur 20 Jahren wurden sie kahl geschlagen, um von den jungen Stockausschlägen der Eiche die für das Gerben von Leder sehr begehrte Lohrinde zu gewinnen. Der Lohspeicher in Cochem, heute ein Gasthaus, erinnert noch an diese Zeit. Ein weiteres, mindestens genau so wichtiges Produkt war Brennholz. Dazu muss man wissen, dass erst mit dem Bau der Moseleisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts mit der Steinkohle überhaupt eine alternative Heizmöglichkeit bestand.

Die heute regelmäßig bewirtschaftete Waldfläche konzentriert sich im wesentlichen auf die ebenen, noch mäßig geneigten Hanglagen. Bis vor 20 Jahren wuchsen dort Fichtenwälder, die aber keine optimalen Bedingungen fanden. So war es nur eine Frage der Zeit, dass sich nach einer Häufung von trockenwarmen Jahren Borkenkäfer ausbreiteten. Orkanartige Stürme beschleunigten den Niedergang.

Die Ortsgemeinde Dohr entschloss sich nach Beratung durch das Forstamt Cochem und finanzieller Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz zu einem großflächigen Waldumbau. Dabei fanden vor allem die genügsamen Eichen und Douglasien als Hauptbaumarten Berücksichtigung, zumeist in Mischbeständen.

Der Jungwald vor der Schutzhütte wurde 1985 begründet. Der Vorbestand – ein damals ca. 80-jähriger Fichtenwald – fiel den schweren Orkanen des Jahres 1984 zum Opfer. Angepflanzt wurden als Hauptbaumarten Rot- und Traubeneiche sowie Douglasie. Zum Schutz vor Wildverbiss waren die Kulturflächen einige Jahre eingezäunt. Im Zaunschutz haben sich zu den angepflanzten Mischbaumarten durch Windeintrag und Vogelsaat eine Vielzahl weiterer Baumarten eingefunden.

Wirtschaftsziel auf dieser Waldfläche ist die Wertholzproduktion, das heißt die Erzeugung von astfreiem Stammholz starker Dimension. Während sich Laubhölzer, wie zum Beispiel die Eichen, von selbst reinigen, müssen die Douglasien für die Erzeugung von Wertholz geastet werden. Ist die angestrebte Astreinigung auf etwa ein Viertel der späteren Endhöhe vorangeschritten, wird zukunftsträchtigen Bäumen durch fortlaufende Entnahme von Konkurrenten vermehrt Standraum zugewiesen. Durch stetigen Kronenaufbau der besten 40 – 60 Bäume je Hektar wird dann gezielt die weitere Wertholzproduktion verfolgt.

Gleichzeitig erfüllt der für Jung und Alt gut erreichbare Wald vor der Dohrer Hütte als dorfnaher Erholungswald eine wichtige Funktion.“

Toni Göbel, Ortsbürgermeister

 

Bild zur Meldung: Der Dohrer Wald

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